stilistico index

 
Newsletter – Sommer 2017

Editorial – Schreibsommer 2017: alle Angebote auf einen Blick Literarische Spaziergänge in Köln Stilistico-Schreibreisen im Herbst 2017 Vorschau auf Volkshochschulkurse ab SeptemberSchreibtipp: Verschränkte ErzählperspektivenBuchtipp: »Praxishandbuch Buchmarketingr« von Tanja RörschNeuerscheinung: »Griebnitzsee« von Hans Drawe

Editorial

Liebe Autorinnen und Autoren, liebe Schreibinteressierte,

Sommerzeit ist Schreibzeit – so zumindest mein Eindruck. Es gibt weniger Termine und Verpflichtungen und viele können sich auf zwei oder drei Urlaubswochen freuen. Freizeit, die dazu animiert, das längere Zeit vernachlässigte Manuskript wieder hervorzuholen oder etwas Neues zu beginnen und endlich mal wieder energisch in die Tasten zu hauen. Falls Sie Lust haben, Schreiben und Erholung miteinander zu verbinden oder wenn vielleicht sogar Schreiben für Sie Erholung ist, dann möchte ich Ihnen meine Sommerangebote ans Herz legen, die ich weiter unten vorstelle.

Da mein zweiter Rügenkrimi allmählich in die Zielgerade einbiegt (es besteht noch reichlich Überarbeitungsbedarf), habe ich mich wieder einmal in das Thema Buchmarketing vertieft. Wahnsinn, wie viele neue Möglichkeiten seit meiner letzten Romanveröffentlichung dazugekommen sind. Es wird immer schwerer, den Durchblick zu behalten und die effektivsten Mittel auszuwählen. Einen Ratgeber, der mir dabei sehr geholfen hat, stelle ich Ihnen ebenfalls vor.

In der zweiten Augusthälfte mache ich wie in jedem Jahr Urlaub. Anfang September starten dann wieder die Kurse an der VHS und auch Stilistco-Schreibkultur bietet im Herbst noch spannende Seminare an. Ich hoffe sehr, noch viele von Ihnen für das Schreiben in Erich Kästners Berlin begeistern zu können.

Zunächst aber wünsche ich Ihnen eine wunderbare Sommer- und Ferienzeit mit vielen kreativen Mußestunden und zum Schreiben anregenden Erlebnissen.

Aus Köln-Ehrenfeld grüßt wie immer herzlich
Ihre Isa Schikorsky

Wenn Sie immer auf dem Laufenden bleiben möchten, abonnieren Sie doch mein Blog oder folgen Sie mir auf Facebook oder Twitter.
Der Stilistico-Newsletter erscheint einmal im Vierteljahr. Wenn Sie ihn regelmäßig erhalten möchten, schicken Sie mir einfach eine kurze E-Mail. Sie erreichen mich unter schikorsky@stilistico.de. (top)


Schreibsommer 2017 – alle Angebote auf einen Blick

Ganz schnell anmelden (bis 3. Juli) müssten Sie sich bitte, wenn Sie auf besonders reizvolle Weise Zeit für Ihre Geschichten haben wollen, wenn Sie den Alltag für eine Weile hinter sich lassen, frische Schreibenergie gewinnen, die Natur sowie ein reichhaltiges Wellness- und Beautyangebot genießen und sich kulinarisch verwöhnen lassen möchten. All das bietet das Seminar vom 3. bis 6. August im Romantikhotel Stryckhaus bei Willingen im Sauerland.

Am 3. Juli endet auch die Anmeldefrist für den Workshop Vier Tage für Ihren Roman, der vom 25. bis 28. Juli (jeweils 10.00–16.45 Uhr) an der VHS Leverkusen stattfindet und in den knappen Theoriephasen Aspekte der szenischen Gestaltung von Erzähltexten und der Überarbeitung in den Mittelpunkt stellt. Zwei Plätze sind noch frei. Bitte melden Sie sich direkt bei der VHS Leverkusen an (online oder telefonisch: 0214-406-4188).

Jede Menge Kreativität können Sie beim Sommergeschichten schreiben (A-382290) an der VHS Köln-Lindenthal entwickeln (17.–20. Juli, jeweils 10.00–14.30 Uhr). Sie erhalten zahlreiche Impulse, unter anderem können Sie durch das Stadtviertel streifen, sich von Passanten, Parks und Gebäuden inspirieren lassen. Für alle, die Spaß am Schreiben haben oder gewinnen möchten. (top)


Literarische Spaziergänge in Köln

Am 20. Juli (18.30–20.00 Uhr) führt ein literarischer Spaziergang Auf Heinrich Bölls Spuren durch die Südstadt. Er findet anlässlich des 100. Geburtstags des Nobelpreisträgers in diesem Jahr statt. Sie erfahren an Orten von Bölls Kindheit und Jugend Biografisches, Anekdotisches und Literarisches. Bitte melden Sie sich bis 17. Juli telefonisch unter 0221 4856490 oder per E-Mail an. (Wiederholungstermin: 20. September)

Rund um den Neumarkt und ins Belgische Viertel führt ein weiterer literarischer Spaziergang mit Texten von Rolf Dieter Brinkmann, Hans Bender, Ulla Hahn und anderen. Erleben Sie, wie durch die Imaginationskraft der Literatur längst verschwundene Orte wieder lebendig werden. Hier lesen Sie Näheres ... 17. September, 11–13 Uhr. Bitte melden Sie sich bis 14. September telefonisch unter 0221 4856490 oder per E-Mail an. (top)


Stilistico-Schreibreisen im Herbst 2017

Kommen Sie mit auf eine literarische Zeitreise in die wilden Zwanzigerjahre und schreiben Sie Ihre eigenen Geschichten und Gedichte der Hauptstadt. Das Seminar Schreiben in Erich Kästners Berlin bietet eine Fülle an Inspirationen rund um den Kurfürstendamm. Vom 26. bis 28. September (auch ohne Übernachtung buchbar), bitte bis 24. August anmelden.

Die Schreibwerkstatt auf Rügen ist im Moment ausgebucht. Wenn Sie interessiert sind, kann ich Sie gern auf die Warteliste setzen.

Das autobiografische Schreibseminar Dem Leben auf der Spur findet vom 18. bis 20. Oktober in Ahrweiler statt. Sammeln Sie prägende Momente und Erlebnisse Ihres Lebens und gestalten Sie daraus lebendige und spannende Geschichten.

Krimis erfinden und schreiben können Sie in diesem Jahr wieder in Hillesheim, der Krimihauptstadt Deutschlands. Was Sie dort vom 8. bis 10. November erwartet, können Sie nachlesen im Bericht Mörderisch kreative Schreibtage über das Seminar 2014, aus dem (mindestens) zwei Krimiautorinnen hervorgegangen sind. Anne Poettgen und B. D. Thion haben inzwischen jede mehrere Kriminalromane veröffentlicht. (top)


Vorschau auf Volkshochschulkurse ab September

Das neue Programm der VHS Köln ist ab 3. Juli online, deshalb kann ich heute noch nicht auf die einzelnen Veranstaltungen verlinken. Sie gelangen aber ganz leicht zu meinen Angeboten, wenn Sie »Schikorsky« als Schlagwort eingeben.

Die Schreibwerkstatt online begleitet Sie mit Aufgaben, Schreibtipps und Rückmeldungen Schritt für Schritt bis zur Vollendung einer Kurzgeschichte. Die Einführungsveranstaltung findet am 9. September statt.

Um die Vermittlung von Basistechniken des literarischen Schreibens geht es in Grundlagen des Erzählens. An sechs Terminen ab 11. September (18.30-20.00 Uhr) beschäftigen Sie sich in diesem Semester intensiv mit den Strukturen von Geschichten.

In der Romanwerkstatt steht die Gestaltung einer perfekten Szene im Mittelpunkt. Vierzehntäglich ab 11. September (20.00-21.30 Uhr).

Das Autorenforum bietet wieder Gelegenheit zum Vorlesen und Diskutieren Ihrer Manuskripte sowie kurze Schreibübungen. Ab 18. September (18.30-20.45 Uhr, vierzehntäglich). (top)


Schreibtipp: Verschränkte Erzählperspektiven

Das Thema »Erzählperspektiven« ist mir als Leserin, Autorin und Lektorin besonders wichtig, denn daran erkennt man schnell, ob jemand sein Handwerkszeug beherrscht oder nicht. Ob Sie personal aus der Sicht einer Figur (Er- bzw. Sie-Form) erzählen oder die Figur ihre eigene Geschichte schildern lassen (Ich-Form), ob Sie neutral oder allwissend schreiben, ob Sie zwischen den Formen kapitel- oder sogar absatzweise hin und her springen oder für welche Kombination Sie sich auch immer entscheiden, Sie sollten zwei Dinge beachten: Der Leser sollte in der Lage sein, das Prinzip zu erkennen, wenn nicht sofort, dann doch im Verlauf der Lektüre; und die verwendeten Perspektiven sollten zum Inhalt passen.

Wie es funktionieren kann, lässt sich sehr schön am Beispiel von Dieter Wellershoffs Roman »Der Liebeswunsch« illustrieren. Er hat die Perspektiven der vier Hauptfiguren auf raffinierte Weise miteinander verschränkt. Der Roman handelt von zwei Frauen und zwei Männern, die durch wechselnde Liebes- und Freundschaftsbeziehungen miteinander verbunden sind. Es gibt Kapitel, in denen Paul, Marlene und Anja selbst erzählen, und andere, in denen ein Er- oder Sie-Erzähler ihnen oder auch dem vierten Protagonisten, Leonhard, folgt. Außerdem gibt es Passsagen, in denen ein überschauender, aber neutral-objektiv bleibender Erzähler auftritt. Bemerkenswerterweise kommt Leonhard als Einziger nicht mit eigener Stimme (also nicht als Ich-Erzähler) zu Wort (außer im Dialog). Damit unterstreicht Wellershoff die Rolle des Juristen als rationalem, sehr sachorientiert handelndem Gegenpart zu den drei anderen, emotional unsteten, von einer Gefühlskrise in die andere schlitternden Figuren. Manche Geschehnisse werden aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. So heißt es zum Beispiel aus Anjas Perspektive: Am Abend vor meinem dreiunddreißigsten Geburtstag kamen Paul und Marlene zu Besuch. (S.100)

Im nächsten Kapitel dann schildert ein Er-Erzähler dieses Ereignis aus Leonhards Sicht in der Rückblende: Heute war Anjas Geburtstag. Und gestern waren Marlene und Paul zum Romméabend gekommen, um mit ihnen in den Geburtstag hinüberzufeiern. Er war dankbar gewesen, daß sie zugesagt hatten. (S. 123)

Da in »Der Liebeswunsch« zu Beginn der Kapitel die Perspektivfigur nicht immer ausdrücklich genannt wird, ist es zuweilen mühevoll, sie zu identifizieren. Doch diese Erzählweise korrespondiert überzeugend mit dem Inhalt. Die perspektivischen Überblendungen und Verknüpfungen machen die Labilität und Störanfälligkeit von Beziehungen deutlich, denn Wellershoffs Roman handelt ähnlich wie Goethes »Wahlverwandtschaften« von den Anziehungs- und Abstoßungskräften zwischen Paaren. Das Handeln einer Figur wirkt sich immer auch auf die anderen aus, jeder ist zugleich Täter und Opfer, verletzt andere und wird selbst verletzt. Die Vielfalt der Perspektiven lässt dieses Geflecht aus Liebe, Vertrauen, Verrat und Verzweiflung für den Leser unmittelbar anschaulich und emotional nachvollziehbar werden. (top)


Buchtipp: »Praxishandbuch Buchmarketing« von Tanja Rörsch

Möglicherweise ist das auch Ihre Wunschvorstellung: Sie beschränken sich ganz aufs Schreiben und andere kümmern sich darum, dass die fertigen Produkte zu den Lesern kommen. Doch ich muss Sie enttäuschen. Auch wenn Ihr Buch in einem Verlag erscheint, in dem Marketingprofis tätig sind, Sie müssen leider raus aus Ihrer Komfortzone. Sogar Bestsellerautoren müssen zu Interviews, Fototerminen und Lesereisen bereit sein. Kleine und mittlere Verlage wünschen oder fordern von ihren Autoren, dass sie in den sozialen Netzwerken aktiv sind und in verschiedenen Medien für ihr Buch werben. Wer selbst veröffentlicht, ist gezwungen, die gesamte Vermarktung in Eigenregie zu organisieren. Sinnvoll ist es, sich zunächst einmal einen Überblick über die Möglichkeiten zu verschaffen. Dazu ist das Praxishandbuch von Tanja Rörsch sehr gut geeignet.

Der Anfänger im Buchmarketing staunt und fühlt sich schnell überfordert: Buchtrailer, Leserunde, Videolesung, Gewinnspiel, Autorenwebsite, Facebook und Twitter sowieso – das sind nur ein paar Stichpunkte. Der Ratgeber ist übersichtlich gegliedert und aktuell, ein besonderer Pluspunkt, denn das Spektrum wandelt sich enorm schnell. Rörsch stellt auch relativ innovative Marketinginstrumente wie Buch- und Leseplattformen, Buch-Blogging und Online-Lesungen vor. Die meisten Kapitel sind auch für Laien leicht verständlich, praxisnah und fundiert geschrieben, Beispiele veranschaulichen den Inhalt und Weblinks führen zu weiteren Informationen. Die einleitenden Kapitel zum Buchmarkt und Buchmarketing bleiben etwas allgemein, die Tipps zur Suchmaschinenoptimierung (SEO) haben mein Technikverständnis überfordert, im Ganzen aber erfüllt das Buch sein Ziel optimal: Sie erfahren, welche Möglichkeiten es gibt, ein Buch auf dem Markt zu positionieren, es sichtbar zu machen und potenzielle Leser gezielt anzusprechen. Auf dieser Basis können Sie entscheiden, was zu Ihnen und zu Ihrem Buch passt und so eine effektive Marketingstrategie entwickeln. Sie werden außerdem angeleitet, wie Sie Aktionen ganz konkret durchführen können.

Für Ihre Publikationen wünsche ich Ihnen gute Verkaufserfolge!

Übrigens: In einem Samstagsseminar an der VHS Köln geht es am 18. November (10.00–17.00 Uhr) um die Frage »Einen Verlag suchen oder selbst publizieren und vermarkten?« Sie lernen die Vor- und Nachteile der Verfahren kennen und erhalten Tipps fürs Anbieten von Manuskripten, fürs Selfpublishing und das Vermarkten Ihrer Bücher.

Tanja Rörsch: Praxishandbuch Buchmarketing. Wie Sie Ihr Buch erfolgreich vermarkten und als Autor bekannt werden. Norderstedt: BoD 2016, 200 S., 19,90 € (top)


Neuerscheinung: »Griebnitzsee« von Hans Drawe

Als die Stasi ihn als Spitzel anwerben will, sieht DEFA-Dramaturg Georg Endres nur noch die Möglichkeit, seine schon seit Längerem geplante Flucht endlich zu wagen. Eine bessere Chance wird sich nie wieder bieten. Denn Endres konnte Frau und Sohn zu sich ins Grenzgebiet holen. Er wohnt und arbeitet im ehemaligen Gästehaus der DEFA am Griebnitzsee. Der Westen beginnt direkt hinter der Mauer auf der anderen Straßenseite. Endres setzt alles auf eine Karte und kämpft gegen die Zeit, unerwartete Hindernisse, das Wetter sowie die eigenen Skrupel und moralischen Verpflichtungen.

Der packende, gedrängt erzählte Thriller konzentriert sich auf die sich immer weiter zuspitzenden Ereignisse des Fluchttags. Während Endres versucht, Freunden und Kollegen in der Filmarbeitsgruppe normalen Alltag vorzuspielen, kreisen seine Gedanken unablässig um die Gefahren, die mit seinem Vorhaben einhergehen. Drawe zeigt nicht nur sehr eindringlich die innere Zerrissenheit und den immer auswegloser erscheinenden Konflikt seines Protagonisten, sondern gibt darüber hinaus aufschlussreiche Einblicke in die Absurditäten des Systems DDR, speziell die Bedingungen der Kulturpolitik und Filmwirtschaft. Das Klima von Angst, Misstrauen, Verrat und Kontrolle, das bis weit in die private Sphäre hineinreicht, schildert Drawe in eindrucksvollen Szenen und pointierten Dialogen.

Hans Drawe: Griebnitzsee. Thriller. Hamburg: Tredition 2017, 216 S.,TB 10,99 €

Neu erschienen ist auch der Sommerroman von Karin Hildebrandt: »Bis bald in Frankreich«, in dem es um Freundschaft, Vertrauen und Zusammenhalt geht. (Bielefeld: Tao Verlag, 296 S., 14,99 €) (top)

impressum I webmaster