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Nachdem die großen politischen Utopien der 68er-Generation beim »langen Gang durch die Institutionen« relativiert wurden und die Versuche zu einer gewaltsamen Änderung des politischen Systems 1977 in den Terroraktionen des »Deutschen Herbstes« einen Höhepunkt des Schreckens erreichten, ließ sich gegen Ende der 70er Jahre ein Rückzug ins Private beobachten.
Besonders deutlich machten diese gesellschaftliche Trendwende ein kleiner Bär und ein kleiner Tiger, die Helden des Bilderbuchs »Oh, wie schön ist Panama« (1978) von Horst Eckart, besser bekannt als Janosch (*1931). Deren aufregende Expedition ins Land ihrer Träume führt sie zurück ins eigene Heim. Am Ende sitzen sie glücklich und zufrieden auf dem Plüschsofa. Doch ihr auch gesellschaftlich zu deutender Rückzug in die Idylle ist nicht mehr vollständig zu erreichen, Janosch versieht ihn mit einem ironischen Fragezeichen. Das Biedermeiersofa fungiert als Attribut einer überlebten Bürgerlichkeit, denn es steht nicht mehr im kultivierten Salon, sondern in einer kargen Holzhütte inmitten der Natur. So bleibt als inhaltliche Aussage das in der naiven Weisheit von Bär und Tiger gegründete Plädoyer für Freundschaft, Selbstgenügsamkeit und gegenseitige Anteilnahme als zeitloses Rezept zur Überwindung von Einsamkeit und Lebensangst.

Fantastische Wende
Im Spektrum einer ganz überwiegend realistischen und problemorientierten Kinder- und Jugendliteratur erschien 1979 ein ganz und gar unzeitgemäßes Buch und wurde zum bis dahin größten literarischen Erfolg der Nachkriegszeit. »Die unendliche Geschichte« von Michael Ende verkaufte sich in weniger als zwölf Monaten zweihunderttausend Mal, zusammen mit den zahllosen Raubdrucken, die in Studentenkneipen und Hörsälen vertrieben wurden, erreichte der Titel die sprichwörtliche Lesergruppe zwischen 8 und 80. Als erstes Kinderbuch erklomm »Die unendliche Geschichte« im Sommer 1980 die Bestsellerliste des »Spiegel«, wo sie sich jahrelang auf den vorderen Plätzen behaupten konnte. Es war auch ein Sieg der Fantasie über die Realität. Im Buch erringt ihn der schüchterne Bastian Balthasar Bux, der das vom Untergang bedrohte Reich Phantásien und dessen schwerkranke Herrscherin, die Kindliche Kaiserin, retten kann, weil er einen neuen Namen für sie weiß. Dafür bekommt er alle Wünsche erfüllt. Zusammen mit seinem Freund Atréju und dem Glücksdrachen Fuchur zieht er durch Phantásien und entfernt sich immer weiter von der Menschenwelt. Im letzten Augenblick jedoch erkennt er als seinen wahren Willen den Wunsch, zu lieben und selbst geliebt zu werden. Jetzt kann er in die Wirklichkeit zurückkehren.
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