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Anfang 1899 in Dresden – die letzten zwölf Monate des 19. Jahrhunderts haben begonnen. Das Haus in der Königsbrücker Straße 66 liegt ein gutes Stück weit entfernt vom Elbufer und den herrschaftlichen Villen am Albertplatz. Hier wohnen einfache Leute, überwiegend Handwerker und Arbeiter. Im Erdgeschoß der tristen, vierstöckigen Mietskasernen haben Bäcker, Fleischer und Gemüsehändler ihre kleinen Läden. In einer Mansardenwohnung sitzt die achtundzwanzigjährige Ida Amalie Kästner Tag für Tag an der Nähmaschine und näht Leibbinden im Akkord. Die ernste Frau mit dem bitteren Zug um die Lippen denkt an die Zukunft. Was bringt das neue Jahr? Daß Karl Kraus in Wien die erste Nummer der »Fackel« herausbringen wird, berührt ihr Leben wohl kaum. Möglicherweise wird sie im Verlauf des Jahres davon hören, daß in Berlin Paul Linckes Operette »Frau Luna« bejubelt und Aspirin gegen Kopfschmerzen erfunden wird. Ida Kästners Gedanken kreisen um ein anderes Ereignis, denn es sind nur noch wenige Wochen bis zur Geburt ihres ersten Kindes. Beim monotonen Rattern der Nähmaschine mag sie sich auch zurückerinnert haben an die vergangenen sieben Jahre ihrer glücklosen Ehe. »Ich liebe ihn doch gar nicht«, wendet sie ein, als ihr die Schwestern den von ihnen ausgesuchten Ehekandidaten präsentieren. Es ist der vier Jahre ältere Emil Richard Kästner, ein bedächtiger und zuverlässiger Sattlermeister, der sich selbständig machen will und deshalb eine tüchtige Frau sucht. Ida muß sich entscheiden: Will sie weiterhin als Dienstbotin alten Damen Gesellschaft leisten oder die Rolle einer respektablen Handwerkersgattin übernehmen? Die bereits verheirateten Schwestern raten zum zweiten Weg, und so findet 1892 die Hochzeit zwischen Ida Augustin und Emil Kästner statt. Kurz darauf eröffnet das Paar im sächsischen Döbeln ein Sattlergeschäft ...
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